1926
Unter der Schirmherrschaft von Dechant Gerhard Hilling und mit Hilfe der Dezernentin der Zentrale des Katholischen Fürsorgevereins in Dortmund, Frau Dr. Wiese, finden sich fünf Frauen aus Lingen zusammen, die ihre christliche Überzeugung in aktiver Nächstenliebe leben wollen, und gründen den katholischen Fürsorgeverein Lingen.
Zu den Gründungsmitgliedern gehören Frau Weitzel, Frau Roeffs und Frau Rehme. Erste Vorsitzende wird Frau Weitzel. Am 26. November 1926 feiern sie in der St. Bonifatiuskirche ihren gemeinsamen Anfang. Ehrenamtlich wollen sie Mütter mit unehelichen Kindern betreuen sowie Patenschaften für Kinder übernehmen. Hilfsbedürftige Kinder wollen sie in unentgeltliche Familienpflege geben und Heimkinder in Adoptivfamilien vermitteln. Schon im Gründungsjahr nimmt Frau Roeffs an einer vierwöchigen Fortbildung in Dortmund teil, um die ehrenamtliche Arbeit fachlich zu untermauern und als Multiplikator das erworbene Wissen an die übrigen Ehrenamtlichen weiterzugeben.
1927-1930
In dieser Zeit können 145 „Schützlinge“ betreut und 44 Kinder davon in unentgeltliche Familienpflege vermittelt werden.
1933-1945
Während der Herrschaft des Nationalsozialismus, 1933 – 1945, übernimmt der Staat immer mehr Aufgaben der Wohlfahrtspflege. Die freien kirchlichen Träger sind nicht mehr gefragt und eine Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen ist nicht mehr möglich.
Die Mitgliederversammlungen finden deshalb in privaten Wohnungen statt, gearbeitet wird weiterhin in aller Stille. Schwester Leonarda aus dem Mutterhaus der Franziskanerinnen in Thuine koordiniert das Engagement der ehrenamtlich tätigen Frauen. Ein besonderer Höhepunkt im Jahr 1934 ist der Besuch der Gründerin des Katholischen Fürsorgevereins in Deutschland Agnes Neuhaus in Lingen.
In diesem Jahr übernimmt Frau Rehme den Vorsitz und 4 Jahre später geht dieses Amt an Frau Willemsen.
Schon am 1. November 1945 stellt der Vorstand des Katholischen Fürsorgevereins ohne finanzielle Absicherung, aber mit viel Gottvertrauen die erste hauptamtliche Fürsorgerin ein. Elisabeth Tölle muss ihr Wohn-Schlafzimmer in der Diepenbrockstraße zugleich als Büro nutzen und bezieht für ihre unermüdliche Tätigkeit einen Bruttolohn von 255 RM. Die Zusammenarbeit mit den Behörden kann wieder hergestellt werden. An den Kosten beteiligt sich die Stadt Lingen mit monatlich 20 RM, der Landkreis Lingen mit 50 RM, das übrige Geld aber muss durch Spenden und eine Jahreskollekte aufgebracht werden.
1946
Am 8. Dezember erteilt die Justizbehörde den Mitarbeiterinnen des Vereins die Erlaubnis, die im Gefängnis in Lingen einsitzenden Frauen zu besuchen und zu betreuen.
1947
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Katholischen Fürsorgevereins übernehmen die Betreuung lediger Mütter mit ihren unehelich geborenen Kindern auf der Entbindungsstation des Bonifatiushospitals. Häufig haben diese Frauen keinen Zuspruch und keine Fürsorge in ihrer sehr schwierigen Lage.
Immer noch finden die Konferenzen des Vereins in der Wohnung der Vorsitzenden statt. Die Veranstaltungen dienen hauptsächlich dem Erfahrungsaustausch und der Fortbildung der Mitarbeiterinnen. Gesetzestexte werden erläutert, von Fachleuten Rat und Informationen eingeholt.
1948
Der Strafanstaltspfarrer Böhle-Stammschräder wird zum geistlichen Beirat des Vereins.
1950
Agnes Genius übernimmt in diesem Jahr den Vorsitz des Vereins. Mit ihr zusammen arbeiten im Vorstand Martha Krümpel und Else Schwede.
In der ersten Konferenz mit dem neuen Vorstand bittet die Vorsitzende die Mitgliederinnen um „Beistand in den Familien (pro Mitarbeiterin eine Problemfamilie) mit großem Einsatz und vornehmer Zurückhaltung“.
1951
Am 14. Juni lädt der katholische Fürsorgeverein die Mitarbeiterinnen von Stadt und Landkreis zu einer gemeinsamen Tagung ins Kolpinghaus ein.
Für die Betreuung der Pflege- und Adoptivkinder, besonders im Gebiet des Landkreises, motorisiert man sich so sparsam wie möglich: ein Fahrrad mit Hilfsmotor wird angeschafft.
Am 22. November kann das 25jährige Jubiläum gefeiert werden.